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Mindestlohn verhindert Ausbildung

Eingereicht on 6. Juli 2014 – 11:25

Die Mindestlohn-Pläne der Bundesregierung werden negative Folgen für die Ausbildung haben, fürchtet ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer. „Wir plädieren für eine deutlich höhere Altersgrenze als 18 Jahre. Sonst bleibt der Anreiz hoch, statt einer Ausbildung einen Helferjob auf Mindestlohnbasis anzunehmen“, kritisiert Wollseifer im Gespräch mit dem Westfalenblatt.

Was verbinden Sie vor ihrem ersten Besuch als ZDH-Präsident in Ostwestfalen mit dieser Region?

Wollseifer: Im Handwerkskammerbezirk Ostwestfalen-Lippe kann man die Stärken der deutschen Wirtschaft in Perfektion studieren. Auf der einen Seite starke Industriebetriebe, oft aus dem Handwerk hervorgegangen, auf der anderen Seite starker und innovativer handwerklicher Mittelstand, der in der Wertschöpfungskette Hand in Hand mit den Großunternehmen arbeitet. Das Handwerk ist aber auch in allen anderen Bereichen stark – das beweist nicht zuletzt die Handwerkskammerpräsidentin und Bundestagsabgeordnete Lena Strothmann mit ihrem Modeatelier.

In Bielefeld entsteht derzeit der neue „Campus Handwerk“ – eine Investition von fast 64 Millionen Euro. Ist das Geld aus ihrer Sicht gut angelegt?

Wollseifer: Ja. Der neue Campus Handwerk vermittelt die richtige Botschaft auf einen Blick: Das Handwerk ist stark, innovativ und zukunftsträchtig. Das Handwerk gehört in den Mittelpunkt der Stadt. Die Verbindung von Handwerkskammer und Bildungszentrum ist auch eine gesellschaftliche Botschaft: Selbstverwaltung und Berufliche Bildung gehören  zusammen, sind das Fundament für erfolgreiche Betriebe im Handwerk. Der Campus ist auch nur wenige Schritte vom Bahnhof entfernt und damit für die Lernenden aus dem ganzen Kammerbezirk gut erreichbar.

Der EU-Wettbewerbskommissar beurteilt den Meisterbrief des deutschen Handwerks von Zeit zu Zeit sehr kritisch. Fürchten Sie Eingriffe aus Brüssel?

Wollseifer: Wir werden nicht zulassen, dass die EU-Kommission ausgerechnet an den hohen Bildungsstandards rüttelt, auf denen unsere Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft maßgeblich fußt. Die Meisterfortbildung sichert nachhaltige Betriebsgründungen, technische Innovation und schafft Arbeits- und Ausbildungsplätze für die Fachkräfte von morgen. 95 Prozent unserer Auszubildenden lernen in einem Gewerk mit Meisterpflicht. Ohne diesen zentralen Baustein im System der dualen Ausbildung würden weder das Handwerk noch der Wirtschaftsstandort Deutschland so erfolgreich funktionieren. Europa wird nicht wettbewerbsfähiger, wenn es Harmonisierungsmaßnahmen auf Kosten nationaler Erfolgskonzepte und bewährter Qualitätsansprüche vorantreibt. Im Gegenteil. Europas Stärke, die wir alle wollen, wird in dem Leitspruch: „In Vielfalt geeint“ treffend zum Ausdruck gebracht …

Das ganze Interview auf zdh.de