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„Lehrling des Monats“

Eingereicht on 8. Dezember 2017 – 11:08

Aus Afghanistan geflohen – nun in seiner neuen Heimat Düsseldorf ausgezeichnet: Unter den 20.000 Lehrlingen des Handwerks an Rhein, Ruhr und Wupper gibt es zahlreiche junge Persönlichkeiten, die ihre Ausbilder begeistern: aufgrund ihres manuellen Geschicks und ihrer raschen Auffassungsgabe, weil ihre Fachkunde oder ihr ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein beeindruckt oder weil sie innovative Ideen oder ein Händchen für die Kunden haben.

Das gilt umso mehr, wenn ein Auszubildender hervorsticht, der in seinem Leben erheblichen Hindernissen trotzen musste. Einen besonders steinigen Weg hat der Kriegsflüchtling Muhammad Saber Auriakhil aus Afghanistan hinter sich, den Kreishandwerkerschaft und Handwerkskammer gemeinsam am 17. Oktober 2017 im Düsseldorfer Ausbildungsbetrieb SHK Niepmann GmbH als „Lehrling des Monats“ Oktober auszeichneten.

Kreishandwerksmeister Thomas Dopheide und HWK-Präsident Andreas Ehlert würdigten angesichts schockierender Erfahrungen und schwieriger Lebensumstände besonders den Lern- und Leistungswillen des 20-Jährigen „Sie haben Unvorstellbares gemeistert und nutzen jetzt Ihre Chance vortrefflich. Sie und Ihr Ausbilder, Christian Klemm, haben beide auf Ihre jeweilige Art besondere Integrationsanstrengungen unternommen. Das Ergebnis ist mehr als überzeugend. Das wollen und müssen wir öffentlich machen. Ihr Beispiel soll viele Nachahmer finden!“

Als 16-Jähriger hatte der heutige Handwerks-azubi im zweiten Lehrjahr vor den Häschern der Taliban aus dem nordafghanischen Kundus über Pakistan nach Europa fliehen müssen, da er damals als Hilfsarbeiter eines Zulieferbetriebs der US-Streitkräfte tätig war. Nach haarsträubender Flucht war der junge Paschtune zunächst einfach nur in Düsseldorf gestrandet. Inzwischen ist die Landeshauptstadt für „Saber“, wie ihn seine Freunde und Kollegen nennen, aber „neue Heimat“, und er selbst ist mit den besten Aussichten dabei, sich seinen Berufswunsch zum Klimatechniker zu erfüllen. „Seine Motivation ist unglaublich hoch“, so sein Ausbilder, Christian Klemm, „Saber ist mit einer riesigen Lernbereitschaft bei der Sache.“

Bereits in den sechs ersten Monaten lernte der junge Flüchtling in der Aufnahmeeinrichtung Kölner Straße, passabel Deutsch zu verstehen. So erreichte er am Albrecht-Dürer-Kolleg und am Franz-Jürgens-Kolleg anschließend auch die Hauptschulabschlüsse Klasse 9 und Klasse 10. Nachdem er schon zuvor während der Berufsvorbereitungsphase in einem großen Ausbildungsbetrieb der Kälteanlagenbau-Branche ein Praktikum gemacht hatte, entdeckte Christian Klemm den begabten Asylbewerber kurze Zeit später auf einem Berufsorientierungstag.

Der Lehrlingswart der Innung Sanitär Heizung Klima Düsseldorf bot Auriakhil ein zweiwöchiges Praktikum im eigenen Unternehmen an – und sagte trotz laufenden Anerkennungsverfahrens sehr schnell einen Ausbildungsplatz zu. „Saber macht eine fantastische Entwicklung, vor allem seine Anstrengungen, die Sprachbarriere hinter sich zu lassen, sind bewundernswert.“ Der Auszubildende zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik habe „rasch eine gute Systematik in seinem Tun und Handfertigkeit“ entwickelt.

Damit sich Auriakhil auf seine Lehre und sein Lernen konzentrieren konnte, räumte das ausbildende Unternehmen zahlreiche bürokratische Hürden beiseite. Da bezahlbarer Wohnraum nicht zu finden war, mietete der Arbeitgeber selbst eine Wohnung an und vermietet sie an seinen Auszubildenden. Zahlreiche Dokumente musste Christian Klemm inzwischen unterzeichnen, um Saber die Ausbildung bei ihm zu ermöglichen – von der Erklärung einer verbindlichen Ausbildungszusage für das Ausländeramt wegen der Aufenthaltserlaubnis bis zur Stellungnahme gegenüber dem Jobcenter, um den Nachhilfeunterricht in Deutsch fortzuführen, damit die Prüfungen für den Gesellenabschluss nicht gefährdet sind. Damit Saber mobil ist, stellte ihm eine gemeinnützige Düsseldorfer Organisation ein Fahrrad zur Verfügung.

Natürlich bereiten Saber speziell einige theoretische Unterrichtsinhalte immer wieder noch mal Verständnisprobleme. Solche Defizite werden dann von den Ausbildern in der Überbetrieblichen Lehrwerkstatt oder in der betrieblichen Unterweisung nachgearbeitet und ausgeglichen. Für Christian Klemm ist nur eins wichtig: „Wie gut sich Saber macht und wie zufrieden wir mit ihm sind!“

Bild oben: Ausbilder Christian Klemm (SHK Niepmann), Kreishandwerksmeister Thomas Dopheide, Muhammad Auriakhil und Kammerpr‰sident Andreas Ehlert (v.l.)       Fotos: Wilfried Meyer