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„Für mehr (Eigen-) Verantwortung für NRW“

Eingereicht on 7. Juni 2017 – 20:37

Noch sind die Koalitionsverhandlungen in vollem Gange, doch erste Weichenstellungen wie die Abschaffung der Hygieneampel, die Priorisierung der Verkehrsprojekte und die wirtschaftsfreundliche Neuausrichtung des Landesentwicklungsplans deuten in die richtige Richtung.

Nach den ersten beiden Verhandlungswochen begrüßen IHK NRW und der Westdeutsche Handwerkskammertag, die Spitzenorganisationen der wirtschaftlichen Selbstverwaltung in NRW, die Bemühungen von CDU und FDP, die Wachstumskräfte NRWs ins Zentrum der zukünftigen Landespolitik zu stellen.

Bereits vor der Wahl hatten die Spitzenorganisationen der NRW-Wirtschaft die Erwartung an die neue Landesregierung formuliert, mit einem neuen Selbstbewusstsein, ehrgeizigen Zielen und mutigem Handeln wieder an die Spitze der Bundesländer zu kommen. Gemeinsam hatten sie für einen verbindlichen, alle relevanten Politikfelder umfassenden, wirtschaftspolitischen Masterplan geworben. Das vollständige Thesenpapier „Für einen Aufbruch für NRW“ finden Sie unter: www.ihk-nrw.de und unter www.handwerk.nrw.

Als Selbstverwaltungsorganisationen der Wirtschaft bieten IHK NRW und WHKT der neu zu konstituierenden Landesregierung ihre Unterstützung an. Dabei könnten die Handlungsfelder Bürokratieabbau und Bildung im Vordergrund stehen mit dem Ziel, überbordende Bürokratien zu reduzieren und Abläufe zu vereinfachen. Im Sinne der Selbstverwaltung der Wirtschaft könnten zum Beispiel Aufgaben an die Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern übertragen werden. So klagen bspw. viele Gründerinnen und Gründer im Vorfeld der Gewerbeanmeldung über die bürokratischen Aufwände. In einer Phase, in der die Gründerinnen und Gründer ihre ganze Kraft auf die Vorbereitung des Markteintritts legen sollten, bedarf es deutlicher Vereinfachungen. Hierfür könnten bspw. zukünftig die Gewerbeanmeldungen von den kommunalen Gewerbe- oder Ordnungsämtern an die Kammern übertragen und medienbruchfrei sowie elektronisch durchgeführt werden.

Mit der Clearingstelle Mittelstand unterstützt die mittelständische Wirtschaft NRWs bundesweit die erste Institution, die sich den Abbau von Belastungen der mittelständischen Wirtschaft auf die Fahne geschrieben hat. Durch die Stärkung der Clearingstelle als „echtes Bürokratiewarnsystem“ könnte die Arbeit verstetigt und die Vorreiterrolle NRWs bei der Mammutaufgabe Bürokratieabbau wirkungskräftig ausgebaut werden.

Gemeinsam sollte aus Sicht von IHK NRW und WHKT die betriebliche Berufsausbildung als Motor der Wirtschaft und Garant für eine niedrige Jugendarbeitslosigkeit gestärkt und in den Augen von Jugendlichen und ihren Eltern wieder attraktiv gemacht werden. In dem seit 1996 bestehenden Ausbildungskonsens NRW existiert eine gute Struktur, um im partnerschaftlichen Dialog zwischen Landesregierung, Wirtschaft, Sozialpartnern und Gewerkschaften die Herausforderungen auf den Ausbildungsmärkten in NRW anzugehen. An dieser Stelle möchten die beteiligten Kammern die zukünftige Landesregierung dabei unterstützen, das duale Ausbildungssystem zu stärken und den Fachkräfteengpass der Unternehmen zu mildern.

Neben dem weiteren Ausbau der Qualität der schulischen Berufsorientierung im Rahmen von KAoA und einer schulischen Verankerung des Themas ökonomische Bildung braucht NRW mehr Mobilität bei den Auszubildenden, um offene Stellen und unversorgte Jugendliche zusammenzubringen. Hier können gemeinsam Ansätze initiiert werden, wie viele gute Beispiele der Kammern zur Mobilitätsförderung zeigen.

Die Berufskollegs als wichtiger Partner im betrieblichen Ausbildungssystem sind für die Bereitstellung eines angemessenen Berufsschulunterrichts verantwortlich. Hierfür müssen sie hinreichend ausgestattet werden. Sie benötigen insbesondere Fachlehrkräfte für die Fächer Maschinenbau, Informatik, Elektro-, Kfz- oder Metalltechnik. Mithilfe einer überregionalen Schulentwicklungsplanung unter Beteiligung der Wirtschaft sollten diese Zukunftsaufgaben gemeinsam zielgerichtet angegangen werden.

Quelle: IHK-NRW