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Dieselverbot in Ballungsräumen: Drei Fragen an ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer

Eingereicht on 5. August 2017 – 12:47

Warum wäre ein Dieselverbot in Großstädten für das Handwerk so fatal? 
Ein Dieselfahrverbot wäre für zahlreiche Handwerksbetriebe existenzbedrohend. Die Fuhrparks der meisten Betriebe bestehen mangels Alternativen vor allem aus Dieselfahrzeugen. Handwerker können keinen Heizkessel mit dem Fahrrad zum Kunden bringen oder Baustoffe mit der U-Bahn transportieren, sondern sind täglich auf ihre Fahrzeuge angewiesen, um zu ihren Kunden oder zu Baustellen  zu gelangen. Wie sollen sie bei einem Dieselverbot dorthin kommen?  Von Dieselfahrverboten, die wir ausdrücklich ablehnen, wären auch die kommunalen Fuhrparks und zahlreiche Verbraucher massiv betroffen und damit die Lebensfähigkeit vieler Städte insgesamt. 

Warum nutzen Handwerker in erster Linie Diesel-Fahrzeuge? 
Noch bis Ende 2015, teils bis 2016, wurden in den für das Handwerk relevanten Fahrzeuggruppen fast nur Dieselfahrzeuge der Norm Euro 5 angeboten. Das Handwerk hat Fahrzeuge im Vertrauen darauf gekauft, dass diese umweltgerecht sind.  Deshalb ist überhaupt nicht einzusehen, dass das Handwerk für die Versäumnisse der Autoindustrie und für die Wankelmütigkeit und fehlende Kontrolle durch die Politik bluten soll. Wir brauchen in Zukunft wirklich saubere Diesel – und das möchten wir garantiert bekommen! Aber wir sind auch offen für andere innovative Techniken: Bisher ist das Angebot für leichte Nutzfahrzeuge mit Elektro-, Gas- oder Wasserstoffantrieb noch unzureichend, auch wenn es sich bereits bessert und so auch für die Betriebe interessant wird.


Was fordern Sie von der Politik und der Autoindustrie? 

Wir erwarten für die nach gültigen Normen gekauften Fahrzeuge Planungssicherheit und Vertrauensschutz während der üblichen Nutzungsdauer. Auf dieser Basis ist das Handwerk als wichtiger Umweltdienstleister bereit, sich intensiv für die beschleunigte Modernisierung seiner Fuhrparks und für andere Maßnahmen zur Schadstoffreduzierung zu engagieren. Bund und Industrie haben die derzeitige Zwangslage zu verantworten und deshalb ist es jetzt auch an ihnen, für Lösungen zu sorgen und massiv  Maßnahmen zu ergreifen, mit denen die Grenzwerte erreicht werden:  Durch schnelle und kostenlose Nachjustierung von Abgasreinigungsanlagen, durch Nachrüstlösungen, durch Investitionen in den Nahverkehr der Städte sowie durch die Schaffung der Infrastruktur für E-Mobilität und andere innovative Antriebssysteme. Hier muss viel Vertrauen bei Fahrzeugkäufern wie auch bei betroffenen Anwohnern wieder gewonnen werden.